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Berliner Zeitung, 07.02.2013

Frühstück mit Fortuna

Ein Kiez in Marzahn soll für die Bewohner attraktiver werden. Dafür sorgt eigens eine Firma

Gemeinsames Familienfrühstück, Bastelnachmittage, Hausaufgabenhilfe, eine Küche, in der Kinder kochen lernen können, Computerclub für Senioren – die Angebote des Nachbarschaftshauses des Wohnungsunternehmens Fortuna in der Karl-Holtz-Straße 35 sind beliebt. Als die Fortuna-Verwaltung im Jahr 2007 aus dem Plattenbau im Marzahner Stadtteil Mitte auszog, machte die Genossenschaft das Haus zum Mieter-Treff. Es steht auch allen anderen Kiezbewohnern offen. Jetzt ist das Unternehmen noch einen Schritt weitergegangen: Es hat eine Firma gegründet, die das soziale Leben im Quartier managen soll, die Kieznet GmbH.

Sieben Mitarbeiter, die vorher in verschiedenen, vor allem vom Jobcenter geförderten Projekten arbeiteten, wurden in der Kieznet GmbH fest eingestellt. Sie arbeiten 30 Stunden pro Woche, gezahlt wird der Mindestlohn von 8,50 Euro je Stunde. Das Projekt ist laut David Eberhart, dem Sprecher des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU), bisher einmalig in Berlin.

Eingesetzt werden die Mitarbeiter im Nachbarschaftszentrum und im Seniorenclub der Genossenschaft. „Sie organisieren Veranstaltungen, halten den Kontakt zu anderen Einrichtungen und sind Ansprechpartner für die Bewohner", sagt Heike Vierck, die Geschäftsführerin der GmbH. Auch praktische Hilfe, zum Beispiel für Rentner, leisten sie: Kostenlose Begleitung bei Spaziergängen oder Arztbesuchen, Hol- und Bringdienste. Sie helfen auch im Haushalt, wenn es nottut, und erledigen kleine Handwerkerarbeiten.

Kiezpark mit Obstbäumen

190 000 Euro im Jahr lässt sich die Genossenschaft das kosten. Weitere 60 000 Euro fließen jährlich an freie Träger – zur Unterstützung von Ferienfahrten beispielsweise, für verschiedene Beratungsangebote oder Sportkurse. Ein Kiezpark mit alten Obstbäumen, Frühblüherbeeten, Wildwiesen, einem Bachlauf und einer Pergola wurde 2012 angelegt. Die Grünanlage, die gemeinsam mit den Anwohnern geplant wurde, entstand auf der Brachfläche einer abgerissenen Schule. Zu den mehr als eine halbe Million Euro Fördermitteln aus dem Programm Stadtumbau Ost gab die Fortuna noch einmal 400 000 Euro dazu. Vorstand Peter Schümann sagt, dass die Genossenschaft bereits 2007 ein Unternehmensleitbild entwickelt hat, das sich kurz mit „sozialer Kompetenz" beschreiben lässt. Das soll auch in der Konkurrenz um Mieter mit anderen Wohnungsunternehmen helfen. „Wir haben nicht den gefragtesten Standort in Berlin", sagt er. Die 4 160 Wohnungen der 1977 gegründeten Genossenschaft sind fast alles Plattenbauten. Sie stehen größtenteils in Marzahn-Mitte. 850 Plattenbauwohnungen bewirtschaftet die Genossenschaft auch in Neu-Hohenschönhausen. Dass die Mieter sich nicht nur durch Sanierung der Wohnhäuser, sondern auch durch das Kümmern wohlfühlten, habe mitgeholfen, den Wohnungsleerstand erheblich zu senken, sagt Schümann – von 8,5 Prozent 2007 auf derzeit 3,4 Prozent.

Auch Mietschulden sanken, von 250 000 Euro auf 60 000 Euro. Manuela Schmidt (Linke), ehemals Marzahn-Hellersdorfs Jugendstadträtin und jetzt im Abgeordnetenhaus, sagt, dass das soziale Engagement der Genossenschaft schon 2003 begann. „Damals mussten wir aus Kostengründen viele Einrichtungen im Bezirk schließen." Sie habe mit allen Wohnungsunternehmen gesprochen, ob sie diese Projekte fördern könnten. „Einige waren dazu bereit, doch uneingeschränkt darauf eingelassen hat sich nur die Fortuna", sagt sie. Jährlich zwei Prozent der Netto-Mieteinnahmen setzt die Genossenschaft laut Vorstand Schümann für Projekte im Kiez ein.

BBU-Sprecher David Eberhart sagt, dass sich mittlerweile viele Berliner Wohnungsunternehmen sozial engagieren. „Das ist ganz wichtig, weil sich der Staat leider immer mehr aus diesem Bereich zurückzieht", sagt er. „Aber es verbessert auch das Image der Firmen", sagt er. Selbst die börsennotierte, privatisierte GSW beteilige sich an den Kosten für einen Kiez-Gärtner am Mehringplatz in Kreuzberg. Die Köpenicker Wohnungsgenossenschaft Amtsfeld hat ein Haus erworben, das sie teilweise zum Nachbarschaftstreff ausbauen will. Die Gewobag richtete an der Potsdamer Straße in Schöneberg einen Boxclub ein, um Jugendliche von der Straße zu bekommen. Am Wassertorplatz in Kreuzberg richtete sie einen Park ein. Und die städtische Wohnungsgesellschaft Degewo wurde erst kürzlich mit einem Preis für ihr Modellprojekt Jule geehrt, das sich in Marzahn um alleinerziehende junge Mütter und Väter kümmert.

Birgitt Eltzel

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